Kleine Fische – grosse Fische
Ein seltsames Gefühl der Leere beschleicht ihn in diesem Korridor. Vierzig Jahre
lang war dies sein Reich. Nun ist er fremd hier. Werner Schwarz ist seit zwanzig
Jahren pensioniert. Kein einziges Mal ist er ins Lehrerzimmer zurückgekehrt. Wozu
auch? Der Abschied ist ihm leicht gefallen. Es war höchste Zeit. Die gesellschaftli-
che Entwicklung hat ihm zunehmend Mühe bereitet, weil die neumodischen Tenden-
zen irgendwie an ihm vorbei gegangen sind. Er erinnert sich noch genau an jenen
Abend, als er zur Vorbereitung des Experiments «der Wagnersche Hammer» in sein
Physikzimmer gekommen war, da stand auf seinem Lehrertisch mit dem Schaltpult
und dem Gashahn einer jener Computer, mit Fernseher, Tastatur und unordentli-
chem Kabelgewirr. Der neue Kollege hatte das Ding einfach da hingestellt, ohne ihn
auch nur zu fragen. Zu allem Überfluss hatte er das Möbel auch noch laufen gelas-
sen. Auf dem Bildschirm erschien etwa alle zehn Sekunden ein leuchtender Punkt
und reihte sich zu den schon Vorhandenen in eine Art Spirale. Ihm erschien dies als
Gipfel der Nachlässigkeit und Energieverschwendung, er zog der Maschine kurzer-
hand den Stecker.
Dies war der Beginn seines ganz persönlichen technologischen Generationenkon-
flikts. Dass dieser Computer an einem «Apfelmännchen» gerechnet hat und dafür
drei Tage lang laufen sollte, ging ihm schlicht nicht in den Kopf. Und der ganze
Rummel, der sich um die aufkommende Informatik abspielte, regte ihn auf. Plötzlich
wurde das Freifach Informatik eingeführt, die Schulkommission bewilligte einen Kre-
dit von 300’000.- Franken für die nötigen Geräte, während sein Gesuch für ein bes-
seres Mikroskop von 500.- Franken abgelehnt wurde.
Nein, Werner Schwarz ist kein Freund der modernen Technik. Und trotzdem steht er
jetzt in seinem ehemaligen Schulhaus vor einer Tür, an der ein A4 Blatt klebt mit der
Aufschrift: Computerkurs für Senioren, bitte eintreten.
Der Grund für sein Hiersein ist kein Sinneswandel, sondern schlicht äusserer
Zwang: Nach seiner Pensionierung war er tatsächlich in das allseits so oft prophe-
zeite «Loch» gefallen, bis sein Interesse für Fische erwachte. Plötzlich waren die 6
Guppys, die er in der Schule im Naturkundeunterricht nebenbei zu Anschauungs-
zwecken gehalten hatte, für ihn wichtig geworden. Er hatte das kleine Aquarium in
seine Zweizimmerwohnung gezügelt und das Gewusel der Buntschwänze irgendwie
als Trost empfunden. Sie gaben seinem Tag eine Struktur, und bald dünkte es ihn,
eigentlich verdienten diese Kreaturen eine freundlichere Umgebung als das nackte
Glas. Im Brockenhaus erstand er ein 200-Liter Becken, suchte am Fluss Sand und
Kies, pflanzte Wasserkresse ein und freute sich zunehmend am Gedeihen seiner Fi-
sche. Als sich bei diesen eines Tages gar Nachwuchs einstellte, wurde das Aquari-
um zu seiner Leidenschaft. Es kamen neue Becken, grössere, mit anspruchsvolleren
Bewohnern. Die Anschaffung von Heizung, Pumpe, CO2-Düngung und schliesslich
sogar eines Torffilters füllte seine einsamen Tage. Als aber das Zoogeschäft, in dem
er seinen stetig wachsenden Bedarf bis anhin gedeckt hatte, einer modischen Klei-
derboutique weichen musste, blieb ihm als Alternative nur noch der Onlinehandel.
Ob er wollte oder nicht – das Lebendfutter für seine Diskusfische war nur noch im
inzwischen allgegenwärtigen und ihm doch so verhassten Internet erhältlich.
Einzig im Interesse seiner geliebten Diskusfische steht er darum heute vor dieser
Tür: Computerkurs für Senioren, bitte eintreten. Er schaut auf seine Uhr – Einen Mo-
ment noch zögert er, dann gibt er sich einen Ruck. Punkt Zwei Uhr, Schwarz liebt
die Pünktlichkeit.
Drinnen erwartet ihn genau das, was er befürchtet hat: Zwölf Pulte in U-förmiger
Anordnung, auf jedem ein Computer, und am Lehrerpult ein junges Ding mit
schwarzen Lippen und Piercing im linken Nasenflügel. Sie steht natürlich nicht auf
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bei seinem Eintritt, sondern hebt nur lässig die Hand, weist auf das Pult ganz rechts
von ihr und macht ein Kreuz auf ihrer Liste. Erst jetzt realisiert Schwarz, dass alle
anderen Pulte besetzt sind, hinter jedem sitzt eine «Seniorin» oder ein «Senior».
«Dann sind wir also endlich vollzählig und können anfangen.»
Endlich – sagt diese Person – und er hasst sie vom ersten Augenblick an.
In den folgenden zwei Stunden fegt der digitale Tsunami über ihn hinweg. Schlag
auf Schlag prasseln die neuen Begriffe auf ihn ein, und sein Mauszeiger zuckt wi-
derspenstig auf dem Monitor herum. Unerbittlich erlebt Schwarz das, was ein
schlechter Schüler wohl in seinen glasklaren Physiklektionen empfunden haben
muss, wenn er die anspruchsvolle Demonstration des Wagnerschen Hammers zele-
brierte.
Offensichtlich ist er der Älteste der Klasse und erfährt nun hautnah, was Kompe-
tenzverlust bedeutet. Er schafft es nicht, das Passwort für sein neu errichtetes
Emailkonto zweimal richtig zu tippen, bis die Gepiercte den Leerschlag, den er wohl
unbemerkt angefügt hat, auf Anhieb findet und ihn mit hörbarem Seufzer erfolgreich
einloggt.
Erst beim einfachen Zeichenprogramm entspannt er sich etwas. Es gelingt ihm so-
gar, mit Ellipsen, Rechtecken und Linien eine böse Karikatur mit Piercing zu erstel-
len. Hämisch tippt er darunter: «Big Sister», Orwell wie recht hast du!
In den nächsten 3 Wochen nimmt die digitale Transformation des alten Nero (so
nannten ihn die Rabauken) ihren Lauf: Schwarz lernt Text erstellen, Tabellen rechnen
und schliesslich auch googeln. Big Sister entpuppt sich als Expertin im digitalen
Raum, und obschon er ihre Überlegenheit immer noch hasst und als Demütigung
empfindet wie am ersten Tag, muss er zugeben, dass er doch eine ganze Menge
gelernt hat. Die Verwandlung des allwissenden Physiklehrers zum zaghaften Com-
puter-Newby schreitet voran.
Inzwischen hat sich sein Leben verändert: Neuerdings öffnet er vor dem Füttern und
dem vertraulichen Geplauder mit seinen Lieblingen den neuen Laptop und loggt
sich in seine Mails ein; denn er ist seit einer Woche Mitglied der Gruppe «Aquarium
mit Herz». Die Mitglieder tauschen sich per Mail über Diskusfische aus. Etwas ent-
täuscht findet er heute sein Postfach leer, der nette Diethelm aus München hat sei-
ne Anfrage bezüglich des CO2- Gehalts noch nicht beantwortet. Um ganz sicher zu
sein, drückt er nochmals auf «erneuern» und siehe da, der blaue Punkt signalisiert
eine ungelesene Mail. Rasch klickt er auf «öffnen» und liest:
Michel Paulin
Multiesteem Wills and Estate Law
Portstreet 22
EC1A 1AA London
Herrn Werner Schwarz
Linienstrasse 25
3018 Bern
Switzerland
Sehr geehrter Herr Schwarz
Wahrscheinlich überrascht Sie dieses Schreiben etwas, denn wir hatten bisher nie
Veranlassung, mit Ihnen in geschäftliche Verbindung zu treten. Der Grund für unsere
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Anfrage ist allerdings ungewöhnlich: Unser langjähriger Klient, Manfred Schwarz,
letztmals wohnhaft in London, ist vor drei Monaten bei einem tragischen Verkehrs-
unfall im Alter von 53 Jahren verstorben. Er hinterlässt eine Lebensversicherung
über 3’300’000 Pfund ( 3’630’000 CHF).
Unglücklicherweise machte er keine Angaben über irgendwelche Erben, und alle
unsere bisherigen Nachforschungen nach potentiellen Verwandten sind ins Leere
gelaufen. Da in solchen Fällen das Vermögen des Verstorbenen an das Vereinigte
Königreich von England fällt, haben wir uns zu einer etwas unkonventionellen Lö-
sung entschlossen: Wir wählen nach dem Zufallsprinzip eine Person mit dem Na-
men Schwarz aus dem Telefonbuch und präsentieren diese der Nachlassverwaltung
als Vetter des verstorbenen Manfred Schwarz.
Die Wahl ist nun auf Sie, sehr geehrter Herr Werner Schwarz, gefallen.
Wir schlagen Ihnen darum folgendes Geschäft vor: Sie erhalten 1’500’000 GBP (ca.
1’650’000 CHF), wir erhalten für unsere Umtriebe und umfangreichen Nachfor-
schungen ebenfalls 1’500’000 GBP und den Rest von 300’000 GBP überweisen wir
an die gemeinnützige Organisation der Ärzte ohne Grenzen.
Geschädigt wird durch dieses Vorgehen niemand, denn die Versicherung muss oh-
nehin zahlen, der Britische Staat weiss von nichts, hat also auch keine Ansprüche,
und Sie machen einen stattlichen Gewinn.
Einzige Bedingung für das Gelingen dieses Planes ist, dass Sie rasch handeln, denn
die Testamenteröffnung ist bereits übermorgen. Und selbstverständlich müssen Sie
die Angelegenheit für sich behalten. Niemand darf davon erfahren, absolut niemand,
sonst waren alle unsere Anstrengungen umsonst, und das Geld fällt an den Staat.
Betrachten Sie diesen Brief als unverbindlichen Vorschlag unserer Kanzlei und ein
Geschenk des Schicksals.
Sollte Sie das Geschäft jedoch nicht interessieren, ignorieren Sie dieses Schreiben
einfach und die Sache ist für Sie erledigt.
Andernfalls verlieren Sie keine Zeit und klicken Sie bitte hier, um mit uns in Verbin-
dung zu treten und um unser weiteres Vorgehen abzusprechen.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Michel Paulin (CEO)
Werner liest den Brief ein zweites Mal, er spürt, wie sich die Härchen an seinen Ar-
men aufrichten. Hier steht seine private Adresse, Irrtum ausgeschlossen! Wie kann
das sein? Er ist gemeint! Es gibt keinen zweiten Werner Schwarz in Bern. Und er
steht genau so im Telefonbuch. Wer ist dieser Michel Paulin?
Wozu hat ihm Big Sister letzten Mittwoch beigebracht, wie man im Internet jeman-
den sucht? Hastig öffnet er seinen Browser und gibt per Copy-Paste den Namen in
Google ein. Augenblicklich spuckt die Suchmaschine 50’000 Einträge aus, zuoberst:
Michel Paulin
Multiesteem Wills and Estate Law
Portstreet 22
London.
CEO Michel Paulin (mit Passfoto)
Ein sympathischer Herr mittleren Alters lächelt ihn an.
Die Kanzlei hat eine elegante Webseite!, Volltreffer, die Adresse ist echt!
Und wie steht es mit Manfred Schwarz, dem angeblich verstorbenen Namensvetter
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in London? Schon fast hektisch googelt er auch diesen Namen und tatsächlich: In
London lebt ein Manfred Schwarz… oder lebte? Das geht aus dem Treffer nicht her-
vor; aber möglich wäre es durchaus.
Werners Gedanken beginnen zu kreisen. Sein ganzes bisheriges Leben liegt plötz-
lich vor ihm. Eigentlich geht es ihm ja gut. Er will sich wirklich nicht beklagen. Zwei
drei Mal hat er vielleicht Pech gehabt, die Geschichte mit der Scheidung hat ihn
mehr als die halbe Pensionskasse gekostet. Finanziell liegt nichts mehr drin, gar
nichts; aber was soll’s, mit der Zeit lernt man, Erwartungen herab zu stufen. Ja, er
kommt eigentlich ganz gut klar…
Aber jetzt dies? Ist es möglich, dass sich sein Leben in einer einzigen Sekunde wen-
det. Anderthalb Millionen einfach so… Sozusagen das grosse Los? Verdammt, wenn
das wahr wäre? Was wird mit – er überprüft die Zahl ein drittes Mal – 1’650’000.-
Franken plötzlich alles möglich… Für den Rest seines Lebens wäre er alle finanziel-
len Sorgen los. Er kann sich kaufen, was er will. Er kann reisen, wohin er will. Er
kann leben wo er will.
Er ist frei!
Natürlich ist das Ganze ja vielleicht irgend ein dummer Scherz. Aber wer treibt
schon solchen Aufwand für einen Scherz. Soll er diesen einmaligen Wink des
Schicksals einfach vorüber gehen lassen. «Ich bin doch nicht blöd», denkt er und
klickt entschlossen auf «hier». Ein Emailformular öffnet sich, und er schreibt mit zit-
ternden Fingern: «Sehr geehrte Herren, ich bin an Ihrer Offerte interessiert und er-
warte gerne Ihre Antwort. Mit freundlichen Grüssen Werner Schwarz.» Dann drückt
er klopfenden Herzens auf «senden». Rauschend macht sich seine Botschaft auf
den Weg. Und die Antwort kommt sofort: Der Deal ist perfekt, er braucht nur das
Formular auszufüllen, die Überweisung liegt bereit und ist für übermorgen vorgese-
hen. Hastig füllt er das Formular aus – Name – Vorname – Email – Bankverbindung –
Kreditkartennummer – CVC (Sicherheitszahl) – und ab geht die Post.
Erst jetzt fällt ihm ein, dass er doch seine Fische füttern muss. Turbo steht schon an
der Scheibe und glotzt vorwurfsvoll.
«He Turbo, alter Fisch, stell dich nicht so an. Hast ja keine Ahnung, was hier abgeht.
Hier, zur Feier des Tages eine Extraportion!»
Die anderen drei Diskus schiessen heran, kämpfen um die kleinen Brocken, schnap-
pen sie sich gegenseitig weg, rempeln einander aggressiv.
«So ihr Kerle, aufhören, sofort… sonst nehme ich euch auseinander… jeder in ein an-
deres Becken… ist das klar? Ich schmeisse jeden in ein eigenes Becken… kann ich
mir ab übermorgen leisten… alles kann ich mir leisten – alles!» Ein nie gekanntes
Glücksgefühl packt ihn. Alles wird gut… Endlich wird alles gut!
Heute Nachmittag hat er zum letzten Mal Computerkurs. Es wird ihm schwer fallen,
sich nichts anmerken zu lassen.
«So, meine Herrschaften», beginnt Big Sister geschäftig, «wie ist es euch in eurer
letzten Digital-Woche ergangen… fleissig gegoogelt, auch gemailt?»
Alle nicken.
«Und auch Mails erhalten?»
Einige bejahen zögernd.
Sie startet den Beamer, ihr Schreibtisch erscheint auf der Leinwand.
«Und wie steht es damit?»
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Sie öffnet ihrerseits eine Mail. Auf der Leinwand steht plötzlich:
Michel Paulin
Multiesteem Wills and Estate Law
Portstreet 22
London
EC1A 1AA London
In der Klasse kommt Gelächter auf. Auch sie lacht. Der ewige Klugscheisser am lin-
ken Tisch ruft: «Fisch… Fisch…» Schwarz zuckt zusammen. Was hat der Kerl ge-
sagt… Fisch? Woher wissen die von meinen Fischen?
«Ganz genau, das ist eine Phishing-Mail, sie fischt nach gutgläubigen Menschen,
um sie heimtückisch um ihr Hab und Gut zu bringen. Wer darauf antwortet, wird
aufgefordert, seine Bankverbindung und alle Kreditkarten-Daten anzugeben, worauf
das Bankkonto sofort geleert wird und der Gefischte mittellos da steht.
Nun meldet sich ein Zweiter: «Nur Idioten fallen darauf herein»! Die Klasse wird leb-
haft: «Reine Geldgier, geschieht denen nur recht!» Offenbar sind sich alle einig.
Schwarz wird schlecht.
«Nun, meine Herrschaften, diesmal ist nichts passiert, denn ich selbst habe euch
dieses Mail geschickt um euch zu warnen. Wer hier auf den Leim gekrochen ist, hat
an mich gemailt.»
Auch das noch. Sie weiss es also. Wenn sie jetzt auspackt, ist er bis auf die Kno-
chen blamiert. Am liebsten möchte er im Erdboden versinken.
«Bisher haben wir in meinem Kurs nur über die Vorzüge des Internets gesprochen,
aber in dieser wilden weiten Welt lauern auch Gefahren, sozusagen an jeder Ecke.
Die Michel Paulin E-Mail, bekannt seit 1972 unter dem Namen 419-Scam, ist eine
uralte Betrugsmasche, Fachleute schätzen, dass sie bis heute einen Schaden von
mehreren Milliarden Euro angerichtet hat. Darum ist heute das erste Ziel unseres
Kurses, zu lernen, wie man solche Schädlinge los wird.»
Walter folgt ihren Anweisungen wie betäubt. Als die spitze seines Cursors den Pa-
pierkorb berührt, in den er eben seinen Lebenstraum versenkt hat, platzt in ihm eine
schillernde Seifenblase. Lapidar poppt die Meldung auf: 1 Meldung gelöscht. Er er-
wacht verstört wie aus einem Fiebertraum.
Sie ist inzwischen, Gott sei Dank ohne auch nur zu ihm hinüber zu schauen, zum
nächsten Punkt übergegangen: Wiederherstellung einer Datei. Es geht darum, die
Grafik, die sie mit dem lustigen Zeichenprogramm in der ersten Lektion erstellt ha-
ben, aus dem Papierkorb zu fischen. Es gelingt ihm auf Anhieb. Seine Zeichnung
öffnet sich. Die plumpe Karikatur mit dem Piercing starrt ihm böse entgegen. Eben
will er noch die schwarzen Lippen nachziehen, da friert sein Cursor ein. Oben links
im Monitor blinkt ein roter Punkt, ein fremder Cursor erscheint. Elegant verformt er
den schwarzen Mund zu einem Lächeln, klickt dann unter die Zeichnung und
schreibt hinter seinen ursprünglichen Titel: «Big Sister is watching you!.»
Beschämt blickt er nach vorn zum Lehrerpult. Mit einem Klick gibt sie seinen Moni-
tor wieder frei.
Wenn sie lächelt, ist das Piercing eigentlich überhaupt nicht störend.
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